{"id":7012,"date":"2023-04-19T14:45:06","date_gmt":"2023-04-19T13:45:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/?p=7012"},"modified":"2024-04-29T10:31:01","modified_gmt":"2024-04-29T09:31:01","slug":"mehr-wertschaetzung-statt-verpflichtung-freiwilligendienste-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/2023\/04\/mehr-wertschaetzung-statt-verpflichtung-freiwilligendienste-staerken\/","title":{"rendered":"Mehr Wertsch\u00e4tzung statt Verpflichtung \u2013 Freiwilligendienste st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"\n<p>Als Landesjugendwerk der AWO Sachsen-Anhalt e. V. fordern wir sowohl die Bundesregierung als auch die Landesregierung auf, Freiwilligendienste ausreichend finanziell auszustatten um noch mehr jungen Menschen dieses selbstbestimmte und freiwillige Engagement zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Einen Pflichtdienst f\u00fcr junge Menschen lehnen wir ab und setzt stattdessen klar auf Freiwilligkeit. Als Tr\u00e4ger von Freiwilligendiensten stehen wir f\u00fcr ein selbstbestimmtes freiwilliges Engagement ein und sind \u00fcberzeugt, dass die Freiwilligendienste wie FSJ und BFD daf\u00fcr einen ausgezeichneten Rahmen bieten. Was wir wirklich ben\u00f6tigen, ist mehr Wertsch\u00e4tzung und Anerkennung f\u00fcr junge Menschen, die einen Freiwilligendienst leisten. Dieses freiwillige Engagement noch viel ernster zu nehmen, w\u00fcrde den Gemeinsinn st\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Dazu geh\u00f6rt, die Freiwilligendienste bedarfsgerecht auszubauen, wie es auch im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. Aktuelle \u00dcberlegungen, die Haushaltstitel f\u00fcr die Freiwilligendienste ab 2024 um 20 % zu k\u00fcrzen, passen hingegen nicht dazu.<\/strong><\/p>\n<p>Die Haushaltslage des Bundes ist \u2013 nicht zuletzt aufgrund der Folgen des Krieges in der Ukraine und der Corona-Pandemie- sehr angespannt. Das Bundesfinanzministerium hat den anderen Bundesministerien von daher hohe Sparauflagen gemacht. Der Bundeshaushalt 2024 beinhaltetet eine Mittelk\u00fcrzung von 30 Millionen Euro f\u00fcr die Freiwilligendienste. Derzeit steht das Szenario im Raum, dass der Etat der im Jahr 2025 um weitere 35 Millionen Euro abgesenkt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Diesen Mittelk\u00fcrzungen stehen drastisch steigende Programmkosten bei den Tr\u00e4gern gegen\u00fcber (steigende Personalkosten, steigende Kosten der Seminarh\u00e4user\u2026). Selbst bei einer Beibehaltung der F\u00f6rderung auf dem Niveau von 2023 entstehen bei den Tr\u00e4gern aufgrund der Inflation schon gro\u00dfe Haushaltsl\u00f6cher. Bei einer K\u00fcrzung der Mittel w\u00fcrde sich dies noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Mit Blick auf Sachsen-Anhalt w\u00fcrde <strong>eine weitere K\u00fcrzung der F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 10% in den Freiwilligendiensten ein Wegfall von ca. 200 Pl\u00e4tzen in sozialen Einrichtungen pro Jahr bedeuten.<\/strong> Die Senior*innen im Pflegeheim, die Patient*innen in den Krankenh\u00e4usern, die Kinder in Kita, Hort und Grundschule, die Menschen mit Behinderung in Wohnheimen und Werkst\u00e4tten \u2013 sie alle profitieren von der engagierten Unterst\u00fctzung durch Freiwillige. Ohne ihre helfenden H\u00e4nde k\u00f6nnten zus\u00e4tzliche Angebote zum Wohl der Klient*innen nicht mehr realisiert werden.<\/p>\n<p>Den Vorschlag, junge Menschen sollten mit einem (sozialen) Pflichtjahr das Gemeinwohlproblem l\u00f6sen, ist unverantwortlich und wird von uns entschieden zur\u00fcckgewiesen. Jugendliche und junge Erwachsene kommen aus zwei Jahren Pandemie, in denen der Staat gro\u00dfe Vers\u00e4umnisse darin gezeigt hat, den Schulbetrieb vern\u00fcnftig zu organisieren, die Digitalisierung voranzutreiben, Luftfilter zur Verf\u00fcgung zu stellen, Bildungsbenachteiligung aufgrund von Armut entgegenzuwirken, psychologische Hilfe f\u00fcr in Krisen geratene Jugendliche in ausreichendem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung zu stellen usw. In einer Situation, in der gesellschaftliche Spaltung deutlich erkennbar und das demokratische Miteinander gef\u00e4hrdeter ist denn je, kann nicht an die Gemeinwohlverantwortung junger Menschen delegiert werden.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter einer Pflichtzeit f\u00fchren an, wie pr\u00e4gend und erhellend die Erfahrungen in einem sozialen Dienst sind. Das ist zweifellos richtig. Solidarit\u00e4t und Gemeinsinn k\u00f6nnen aber nicht mit einem Pflichtdienst erzwungen werden. Der Ruf nach einem Pflichtdienst unterstellt, dass sich junge Menschen aus eigenem Antrieb nicht f\u00fcr das Gemeinwohl interessieren. Weder die Shell-Jugendstudien noch die Freiwilligensurveys geben Anhaltspunkte f\u00fcr einen solchen Befund. Wenn Menschen dazu gezwungen werden in Bereichen zu arbeiten, die ihnen nicht liegen, wird der Effekt vielleicht sogar abschreckend sein.<\/p>\n<p>Die vielen Dienstleistenden in ganz Deutschland, zumeist sind es junge Menschen, erfahren gerade in der aktuell schwierigen Zeit die M\u00f6glichkeit, etwas Sinnstiftendes zu tun und sich pers\u00f6nlich weiterzuentwickeln. Zudem leisten Freiwilligendienste auch als Lernorte der politischen Bildung einen wertvollen Beitrag zur Demokratief\u00f6rderung in Zeiten gesellschaftlicher Instabilit\u00e4t. Die Wissenschaft warnt mit Blick auf die Pandemie vor den langfristigen Auswirkungen einer \u201egeraubten Jugend\u201c, die gerade aufgrund ihrer psychischen Belastung und Vereinsamung ein Programm des Gemeinsinns und der p\u00e4dagogischen Begleitung braucht. Die Rufe nach einer Dienstpflicht zeigen, dass in Politik und \u00d6ffentlichkeit nach L\u00f6sungen gesucht wird, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu st\u00fctzen. Die gesetzlich geregelten Freiwilligendienste leisten hier bereits einen zentralen Beitrag.<\/p>\n<p>Jedes Jahr absolvieren rund 100.000 junge Menschen bundesweit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder ein Freiwilliges \u00d6kologisches Jahr (F\u00d6J) und engagieren sich f\u00fcr das Gemeinwohl, f\u00fcr andere Menschen und auch f\u00fcr sich selbst, indem sie Erfahrungen sammeln, berufliche Orientierung und Stabilit\u00e4t gewinnen und dabei Selbstwirksamkeit erfahren. In den begleitenden Seminaren reflektieren die Freiwilligen ihre Erfahrungen und befassen sich intensiv mit der Frage, in welcher Gesellschaft sie leben wollen und was f\u00fcr das Gemeinwohl zu tun ist. Viele k\u00f6nnen sich nach dem Freiwilligendienst eine berufliche Zukunft im sozialen Bereich vorstellen.<\/p>\n<p>Mit Sicherheit lassen sich noch mehr Menschen f\u00fcr ein FSJ oder eine BFD gewinnen. <strong>Daf\u00fcr braucht es allerdings eine Verbesserung der Rahmenbedingungen sowie eine deutliche Steigerung der Bekanntheit und Wertsch\u00e4tzung.<\/strong> Sehr entscheidend ist, dass jede*r, die*der es m\u00f6chte, sich einen Freiwilligendienst auch leisten kann. Viele Freiwillige kommen mit ihrem Taschengeld von zumeist 300,- \u20ac nicht \u00fcber die Runden. Zudem sind sie auf den \u00d6PNV angewiesen und m\u00fcssen dennoch in der Regel selbst f\u00fcr ihr Ticket zahlen \u2013 w\u00e4hrend Angeh\u00f6rige der Bundeswehr kostenfrei fahren. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass es Nachholbedarf in Bezug auf die Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Freiwilligendienstleistende gibt.<\/p>\n<p><strong>Es geht darum, den Freiwilligendienst attraktiver zu gestalten und mehr Menschen die M\u00f6glichkeit zu geben, sich f\u00fcr ein freiwilliges soziales Engagement zu entscheiden.<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":15,"featured_media":7324,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7012","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-events"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7012"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7015,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7012\/revisions\/7015"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7324"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.awo-jugendwerk-lsa.de\/awowp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}